{"id":100,"date":"2017-11-15T21:56:43","date_gmt":"2017-11-15T20:56:43","guid":{"rendered":"http:\/\/2017.system-change.org\/de\/?p=100"},"modified":"2018-01-17T11:18:31","modified_gmt":"2018-01-17T10:18:31","slug":"3c-islamistischer-terrorismus-haben-wir-etwas-falsch-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/3c-islamistischer-terrorismus-haben-wir-etwas-falsch-gemacht\/","title":{"rendered":"3C. ISLAMISTISCHER TERRORISMUS \u2013 Haben wir etwas falsch gemacht?"},"content":{"rendered":"<p><strong><u>ISLAMISTISCHER TERRORISMUS<\/u><\/strong><strong> <em>\u2013 Haben wir etwas falsch gemacht?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Wenn ein Terrorakt passiert ist das Entsetzen gro\u00df, berechtigterweise. Menschen werden get\u00f6tet und verletzt, ganze Bev\u00f6lkerungsteile stehen unter Schock. Die Gesellschaft reagiert mit Solidarit\u00e4tsbekundungen, mit \u00f6ffentlichen Demonstrationen der Geschlossenheit. Das politische Establishment beschw\u00f6rt die Einheit der Gesellschaft, man spricht von Fehlgeleiteten, Fanatikern, von Kranken, die eine solche Tat aus\u00fcben. Die Regierungen fordern einen Quantensprung in der Sicherheitspolitik, Geheimdienste, Polizei und Milit\u00e4r sollen noch st\u00e4rker im Krieg gegen den Terror t\u00e4tig werden, national und weltweit \u2013 jetzt erst recht. Die Erfassung und \u00dcberwachung der Menschen soll absolut werden, die Migrationspolitik soll auf den Pr\u00fcfstand. Doch wo bleibt die Ursachenanalyse, welche einer gesellschaftlichen Reaktion vorangestellt werden muss?<\/p>\n<p>Seit den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 haben die USA und ihre Verb\u00fcndeten zwei mehrheitlich von Muslimen bewohnte L\u00e4nder (Afghanistan und Irak) milit\u00e4risch besetzt. Dar\u00fcber hinaus haben sie milit\u00e4rische Spezialeinheiten in zahlreiche weitere muslimische L\u00e4nder geschickt, einen andauernden Drohnenkrieg gegen ausgesuchte Ziele in Pakistan, Jemen, Somalia und im Sudan gef\u00fchrt, und Hunderte von Muslimen ohne gerichtliche Verurteilung inhaftiert und gefoltert (in Abu Ghraib, Guantanamo und anderswo). Und genau seit 2001 hat es auch mehr Attentate gegen offizielle Einrichtungen und die Zivilbev\u00f6lkerung nicht nur im Westen, aber insbesondere in Afghanistan, Irak und anderen muslimischen L\u00e4ndern gegeben als in all den Jahren davor. Auch der US-Regierung nahestehende Quellen wie die Zeitschrift <em>Foreign Policy<\/em> und die <em>Chicago University<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> best\u00e4tigen, dass mehr als 95 Prozent aller Selbstmordattentate eine Reaktion auf fremde Besatzung darstellen. \u00dcber 90 Prozent aller Selbstmordattentate sind antiamerikanisch oder antiwestlich (da die meisten europ\u00e4ischen Staaten die USA in ihrer Au\u00dfenpolitik unterst\u00fctzen) sowie antiisraelisch (auch hier zur\u00fcckzuf\u00fchren auf eine v\u00f6lkerrechtswidrige Besetzungspolitik). Eine der Hauptursachen f\u00fcr die Entstehung des islamistischen Terrorismus ist somit die aggressive Au\u00dfenpolitik vieler westlicher Staaten gegen oder in muslemisch gepr\u00e4gten L\u00e4ndern. Ob der IS im Irak und sp\u00e4ter in Syrien, die Taliban in Afghanistan und Pakistan, und anf\u00e4nglich die Mullah-Bewegung Khomeinis im Iran, der Aufstieg des Islamismus als gesellschaftliche Bewegung und Machtfaktor ist eng korreliert mit &#8211; oft leider auch aus \u00f6konomischen Interessen (\u00d6l, Wasserressourcen, Handelswege) gef\u00fchrten &#8211; milit\u00e4rischen Interventionen und Kriegen meist westlicher Staaten.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Mehrheit der Selbstmordattent\u00e4ter stammt aus Regionen, die durch ausl\u00e4ndische Truppen bedroht oder besetzt sind. Doch was ist, wenn die Attent\u00e4ter, meist arabischer Abstammung oder der islamischen Kultur angeh\u00f6rend, amerikanische oder europ\u00e4ische Staatsb\u00fcrger sind. Haben wir, hat unsere Gesellschaft vielleicht <em>dann<\/em> etwas falsch gemacht, und nicht nur seit gestern? Wer von uns kennt es denn in heruntergekommenen, desolaten Vorst\u00e4dten aufwachsen zu m\u00fcssen, dort wo das Leben immer mehr von chronischer Arbeitslosigkeit, Kriminalit\u00e4t, sozialen Missst\u00e4nden, von gesellschaftlicher Isolation und Perspektivlosigkeit gepr\u00e4gt ist? Wer von uns kennt es denn, ein Gesicht, eine Hautfarbe, einen Namen, eine Herkunft zu haben, eine Sprache zu sprechen, einer Glaubensrichtung anzugeh\u00f6ren, welche sofort einen Ausweis der Drittklassigkeit darstellen? Menschen, die ausgegrenzt sind vom Wohlstand einer Gesellschaft, mehr noch, wichtiger noch, vom Sozialprestige, von der Achtung der Gemeinschaft, wenden sich verst\u00e4rkt der Religion zu und oft f\u00fchrt dies zur Radikalisierung &#8211; und dies nicht nur seit dem 11 September 2001, das war schon immer so, seit hunderten von Jahren.<\/p>\n<p>Statistisch ist der Islam nach dem Christentum die am weitesten verbreitete Religion weltweit, mit 1.6. Milliarden Menschen (2.2. Milliarden Christen) und mit dem bei weitem h\u00f6chsten Wachstumstrend aller Glaubensgemeinschaften auf allen Kontinenten. Dies sind nur Statistiken, doch wichtiger ist, dass, im Gegensatz zu den allgemeinhin als christlich bezeichneten Gesellschaften, viele Moslems sehr religi\u00f6s sind, bis zu drei bis f\u00fcnf Mal t\u00e4glich beten, der Glaube f\u00fcr sie ein existentielles Selbstverst\u00e4ndnis darstellt. Ist es da politisch also intelligent und gesellschaftlich richtig, wenn man unter der Vorgabe der Meinungsfreiheit dieses Selbstverst\u00e4ndnis von 1.6 Milliarden Menschen immer wieder dem\u00fctigt, wie es insbesondere in Europa und in Nordamerika der Fall ist, wenn Medien und Politik \u00f6ffentlich islamische und arabische Inhalte und Menschen ausgrenzen und unter Verdacht stellen? Macht es Sinn sich auf nationale Gesetze zu beziehen, wo wir doch seit zwei Jahrzehnten im Zeitalter des Internets leben, in dem Inhalte von nationalen Medien durch einen einfachen Klick nationale Grenzen \u00fcberschreiten und so Milliarden von Menschen vermittelt werden? Meinungsfreiheit, unsere Meinungsfreiheit, koste es was es wolle, was hei\u00dft das, Freiheit \u00fcber alles?<\/p>\n<p><em>Wir m\u00fcssen unsere Wirtschafts- und Sozialsysteme, unser politisches Selbstverst\u00e4ndnis so ausrichten, dass Integration, Teilhabe und Achtung der Menschenw\u00fcrde im Mittelpunkt stehen &#8211; und nicht nur eine Forderung bleibt. Eine Gesellschaft, die den Wohlstand und den Wert eines Menschen abh\u00e4ngig macht von Geld und der Zugeh\u00f6rigkeit zu gewissen gesellschaftlichen Gruppen, von der F\u00e4higkeit sich durchsetzen zu k\u00f6nnen, erfolgreich zu sein, eine Gesellschaft, in der sich Reich und Arm immer weiter spalten und Gr\u00e4ben ziehen, in der R\u00fcstungsg\u00fcter und Waffenproduktion ein Selbstverst\u00e4ndnis darstellen, eben auch diese Waffen der Terrorakte &#8211; wollen wir das ? Terrorattentate stellen einen traurigen, unmenschlichen, und verachtenswerten Angriff auf das Leben dar, sind durch nichts zu rechtfertigen, sondern zu verurteilen. Doch als Antwort mehr Gewalt und Ausgrenzung zu fordern, ist blind und wird unsere Gesellschaft nicht sicherer und friedvoller machen, ganz im Gegenteil.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> It\u00b4s the Occupation, Stupid. Foreign Policy 2010\/2016.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ISLAMISTISCHER TERRORISMUS \u2013 Haben wir etwas falsch gemacht? \u00a0Wenn ein Terrorakt passiert ist das Entsetzen gro\u00df, berechtigterweise. Menschen werden get\u00f6tet und verletzt, ganze Bev\u00f6lkerungsteile stehen unter Schock. Die Gesellschaft reagiert mit Solidarit\u00e4tsbekundungen, mit \u00f6ffentlichen Demonstrationen der Geschlossenheit. Das politische Establishment beschw\u00f6rt die Einheit der Gesellschaft, man spricht von Fehlgeleiteten, Fanatikern, von Kranken, die eine solche &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.system-change.org\/de\/3c-islamistischer-terrorismus-haben-wir-etwas-falsch-gemacht\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e3C. 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