{"id":146,"date":"2017-11-15T22:48:36","date_gmt":"2017-11-15T21:48:36","guid":{"rendered":"http:\/\/2017.system-change.org\/de\/?p=146"},"modified":"2017-12-07T17:10:51","modified_gmt":"2017-12-07T16:10:51","slug":"1f232-abbau-von-gesellschaftlich-nicht-zu-rechtfertigenden-einkommensunterschieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/1f232-abbau-von-gesellschaftlich-nicht-zu-rechtfertigenden-einkommensunterschieden\/","title":{"rendered":"1F232 Abbau von gesellschaftlich nicht zu rechtfertigenden Einkommensunterschieden"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: underline\"><strong>Abbau von gesellschaftlich nicht zu rechtfertigenden Einkommensunterschieden:<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Wie ist es rational und logisch zu rechtfertigen, dass etwa in Deutschland ein Spitzenmanager aus der Privatindustrie mindestens zehn Mal so viel verdient wie ein Chefarzt, dass ein Chefarzt wiederum mindestens zehn Mal so viel verdient wie ein ungelernter Arbeiter? Und dies bei gleicher Anzahl von Arbeitsstunden. Warum verdient eine Krankengymnastin, die mit Querschnittsgel\u00e4hmten arbeitet und gro\u00dfen physischen und psychologischen Belastungen ausgesetzt ist, 1.200 Euro im Monat und ein Universit\u00e4tsprofessor oder ein Chefarzt 10.000 Euro im Monat?<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Und dies bei gleicher Anzahl von Arbeitsstunden. Meist wird versucht, diese Einkommensunterschiede dadurch zu rechtfertigen, dass man sich auf die f\u00fcr eine berufliche Position <em>notwendige Ausbildung und deren Dauer<\/em> bezieht oder von der <em>entsprechenden Verantwortung <\/em>spricht, welche einer bestimmten Position zukommt und einer anderen nicht.<\/p>\n<p>Aber sollte nicht selbst in einer Wettbewerbsgesellschaft des materialistischen Kapitalismus der Zugang (im Sinne entweder von Klasse, aber insbesondere finanziell) zu Ausbildung und Hochschulstudium in erster Linie als gesellschaftliches Privileg angesehen werden? Zudem sollte einem bewusst sein, dass w\u00e4hrend die einen studieren k\u00f6nnen, die anderen bereits arbeiten m\u00fcssen, als Arbeiter, als Putzpersonal, als Fernfahrer und so weiter. Ist es da immer noch legitim zu fragen, wer anstrengendere Jahre in jener Lebensphase durchlebt, der Student oder etwa der ungelernte Arbeiter? Und hat nicht der Student zus\u00e4tzlich noch die (zum Teil) berechtigte Hoffnung, einen zumindest physisch weniger anstrengenderen und finanziell lukrativeren Arbeitsplatz zu finden? Wohingegen sich der Arbeiter (meist) damit abfinden muss, bis zu seinem Lebensabend mit den \u00e4hnlichen T\u00e4tigkeiten alt zu werden, die er bereits am Anfang seines Berufslebens schon aus\u00fcbte. Das oft angef\u00fchrte Argument, eine fachspezifische Ausbildung und ein Studium (von wenigen Jahren) seien f\u00fcr sich alleine genommen schon ausreichende Gr\u00fcnde f\u00fcr einen h\u00f6heren finanziellen Verdienst (w\u00e4hrend einer gesamten Lebensarbeitsperiode von vierzig oder mehr Jahren), ist somit in keinster Weise nachzuvollziehen und entbehrt de facto jeder Grundlage<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>In \u00e4hnlicher Weise muss man fragen, ob es nicht f\u00fcr den Einzelnen ein Privileg sein sollte, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, f\u00fcr ein wichtiges Unternehmen, f\u00fcr das Wohlergehen anderer. Und warum sollte oder muss das \u00dcbernehmen von Verantwortung durch zus\u00e4tzlichen materiellen Besitz (Verdienst) kompensiert oder sogar belohnt werden, wenn es sich doch auch in diesem Falle um ein gesellschaftliches Privileg handelt und sich die entsprechende Person allein dadurch geehrt f\u00fchlen m\u00fcsste? Schlussendlich, warum muss f\u00fcr die Arbeit eines durch Ausbildung und Studium \u201ebesser\u201c qualifizierten Menschen, warum muss f\u00fcr das \u00dcbernehmen von Verantwortung ein h\u00f6heres Gehalt (materielle Entlohnung) gezahlt werden? Die Antwort ist einfach: Es gibt keinen Grund.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Um soziale Spannungen und einkommensbedingte Ungerechtigkeiten zu vermeiden sowie eine harmonische gesellschaftliche Entwicklung zu f\u00f6rdern, m\u00fcssen absurde und v\u00f6llig unbegr\u00fcndete Einkommensdisparit\u00e4ten mittelfristig abgebaut werden. Die oben erw\u00e4hnte Begrenzung der individuellen Kapital- und Machtakkumulation sowie die angestrebte Reform des ethischen Fundaments der Erziehungs- und Ausbildungsinhalte stehen damit im Einklang.<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline\"><em>Gerechtes und solidarisches Lohnsystem<\/em><\/span><\/strong> (als erster Schritt)<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>An der f\u00fcr die kapitalistische Wirtschaftsordnung typischen Umverteilung von Geld und Verm\u00f6gen von unten nach oben haben die tariflich (oder gesetzlich) ungebundenen Verg\u00fctungen bestimmter Spitzenverdiener einen gro\u00dfen Anteil. Hier gibt es Verg\u00fctungen, die das Vielfache (bis zu 1000-fache) der durchschnittlichen Tarifl\u00f6hne ausmachen. Das Gravierende und Skandal\u00f6se der letztgenannten Verg\u00fctungen liegt (a) in ihren H\u00f6hen, die nicht durch eigene, sondern durch fremde Leistungen erarbeitet wurden und darum als Raubgeh\u00e4lter anzusehen sind, und (b) in der Selbstbem\u00e4chtigung, in der die Empf\u00e4ngergruppen diese Verg\u00fctungen festlegen. Es ist unbegreiflich, dass sich eine Gesellschaft diese Einkommensspaltung und Selbstbem\u00e4chtigung gefallen l\u00e4sst. Regeln gegen diese Perversionen und f\u00fcr ein leistungsgerechtes und solidarisches Lohnsystem k\u00f6nnten etwa wie folgt aussehen: F\u00fcr nicht voll leistungsf\u00e4hige Menschen und sehr leistungsschwache T\u00e4tigkeiten gibt es einen <em>Solidarischen Lohnausgleich<\/em>, so dass auch hier lebensdienliche L\u00f6hne gezahlt werden k\u00f6nnen. Erst so kommt die Gesellschaft einem notwendigen Verfassungsgebot der Menschenw\u00fcrde und der Solidarit\u00e4t auch im Arbeitsbereich nach; Alle beruflichen T\u00e4tigkeiten, auch die der Banker, Manager, Vorst\u00e4nde usw. werden nach solidarisch gerechten Tarifl\u00f6hnen (oder gesetzlich festgelegt) verg\u00fctet. <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><span style=\"font-size: 10pt\">[1]<\/span><\/a><span style=\"font-size: 10pt\">\u00a0 Wer behauptet, beispielsweise prim\u00e4r aus altruistischen Gr\u00fcnden Arzt werden zu wollen, m\u00f6ge sich fragen, ob er\/sie diesen Berufswunsch auch dann verfolgen w\u00fcrde, wenn das entsprechende Gehalt dem einer Krankenschwester oder gar eines ungelernten Arbeiters entsprechen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a>\u00a0[2] Selbst in dem eher seltenen Fall, dass ein Studium von etwa vier Jahren vom Studenten selbst (also nicht von den Eltern oder vom Staat) durch Arbeit finanziert wird, rechtfertigt diese Mehrarbeit w\u00e4hrend der Studienzeit nicht einen h\u00f6heren Verdienst \u00fcber einen Zeitraum von vierzig oder mehr Jahren gegen\u00fcber einem ungelernten Arbeiter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Da die Erziehung in einer kapitalistisch orientierten Gesellschaft den individuellen (materiellen) Reichtum als Hauptmotivation sowohl f\u00fcr das menschliche Handeln wie auch f\u00fcr den gesellschaftlichen Fortschritt postuliert, sind Einkommensdisparit\u00e4ten, aus der Perspektive des materiellen Kapitalismus, allerdings notwendiges Mittel zur Bildung von (\u00f6konomischen) Klassen und Eliten, ohne die sich das System selbst in Frage stellen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Siehe auch: Felber-Modell Gemeinwohl\u00f6konmie.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abbau von gesellschaftlich nicht zu rechtfertigenden Einkommensunterschieden: Wie ist es rational und logisch zu rechtfertigen, dass etwa in Deutschland ein Spitzenmanager aus der Privatindustrie mindestens zehn Mal so viel verdient wie ein Chefarzt, dass ein Chefarzt wiederum mindestens zehn Mal so viel verdient wie ein ungelernter Arbeiter? Und dies bei gleicher Anzahl von Arbeitsstunden. Warum &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.system-change.org\/de\/1f232-abbau-von-gesellschaftlich-nicht-zu-rechtfertigenden-einkommensunterschieden\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e1F232 Abbau von gesellschaftlich nicht zu rechtfertigenden Einkommensunterschieden\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-146","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1f23-eine-grundlegende-reform-der-sozial-und-wirtschaftssysteme"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=146"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":303,"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/146\/revisions\/303"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=146"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=146"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=146"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}