{"id":172,"date":"2017-11-15T23:05:44","date_gmt":"2017-11-15T22:05:44","guid":{"rendered":"http:\/\/2017.system-change.org\/de\/?p=172"},"modified":"2017-12-07T17:46:22","modified_gmt":"2017-12-07T16:46:22","slug":"1f2551-relativierung-des-monetaeren-wertebegriffs-und-entmonetarisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/1f2551-relativierung-des-monetaeren-wertebegriffs-und-entmonetarisierung\/","title":{"rendered":"1F2551 Relativierung des monet\u00e4ren Wertebegriffs und Entmonetarisierung"},"content":{"rendered":"<p><strong><u>Relativierung des monet\u00e4ren Wertebegriffs und Entmonetarisierung:<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Der altbackene Spruch \u201eZeit ist Geld\u201c steht emblematisch f\u00fcr eine auf das monet\u00e4re Werteprinzip hin ausgerichtete Gesellschaft. Dass Waren und Dienstleistungen \u201eGeld wert\u201c sind, gilt als unumst\u00f6\u00dflich, als ein Naturgesetz einer sogenannten modernen Gesellschaft, aber mehr noch: So wie Dienstleistungen zu Waren geworden sind, um dadurch zu tauschbarem Geldwert mutieren zu k\u00f6nnen, sind immer mehr Dimensionen des t\u00e4glichen Lebens und unserer nat\u00fcrlichen sowie sozialen Umwelt zu monet\u00e4r erwerbbarer Ware geworden, oder sind dabei es zu werden &#8211; Wasser, Genome, Gesundheit, Information, Bildung, soziale Absicherung, pers\u00f6nliche Sicherheit usw.<\/p>\n<p>Es bleiben kaum noch Bereiche, die dem Menschen frei verf\u00fcgbar sind, ohne notwendiger- oder m\u00f6glicherweise einen Geldwert daf\u00fcr entrichten zu m\u00fcssen. Auch wenn sich ihre Qualit\u00e4t und damit auch ihre Verwendbarkeit mit zunehmendem Ma\u00dfe verringert, und ihre Konversion in Ware (und damit in Geldwert) abzusehen ist, stellt, abgesehen vom Sonnenlicht, die Atemluft augenblicklich noch eine der ganz wenigen Ausnahmen dar. Eine andere Ausnahme ist \u201eLiebe und Zuneigung\u201c. Die Liebe und Zuneigung, die eine Mutter ihrem Kind schenkt, die ein Mensch einem anderen Menschen oder Lebewesen vermittelt, hat bisher einer Konversion zur Ware standgehalten, sie sind nicht kaufbar, sie sind noch nicht monet\u00e4r umsetzbar geworden. Auch wenn, vor allem in sogenannten entwickelten Gesellschaften, aber nicht nur, Zuneigung im Sinne von Zuwendung\/Aufmerksamkeit auch schon zur Ware geworden ist (z.B. bezahlte Kinder- und Altenbetreuung, bis hin zu erkauften Liebesdiensten \/Lebenspartnern).<\/p>\n<p>In einer Gesellschaft, in der die dem Einzelnen zur Verf\u00fcgung stehende Geldmenge \u00fcber das zu erreichende Lebensniveau entscheidet, oder gar, wie in vielen Regionen dieser Erde, \u00fcber Leben und Tod, wird es niemals Frieden geben, weder im Kleinen noch global. Immer wird es jemanden geben, der mehr Geld hat, und jemanden, der weniger hat, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig einmal von dem Warum einer solchen Situation und von dem, was als gerecht zu definieren ist. Sozial\u00f6konomisches Ungleichgewicht und Mangel (in diesem Falle der beschr\u00e4nkte Zugang zu Waren und Dienstleistungen bestimmt durch Gelddisposition) sind essentieller N\u00e4hrboden des Unrechtsbewusstseins der Menschen, aber gleichzeitig auch unverzichtbare Paradigmen einer materialistisch gesteuerten Wachstums- und Wettbewerbsgesellschaft.<\/p>\n<p>Dreh- und Angelpunkt unseres derzeitigen globalen Sozial- und Wirtschaftsmodells ist die Verf\u00fcgbarkeit von finanziellen Mitteln (Geld) bei gleichzeitiger Erhaltung des Geldwertes (zu kontrollierende Inflation, Erhalt der Kaufkraft). Von daher, worum geht es in unserer Gesellschaft, oder, anders gefragt, was k\u00f6nnte Alles zum Stillstand bringen? Der Mangel an Geld. Ohne Geld wird nicht investiert, werden keine Arbeitspl\u00e4tze geschaffen, wird keine Kaufkraft kreiert, ohne Geld kann man keine Nahrung kaufen, gibt es kein Schul- und kein Gesundheitswesen, werden keine H\u00e4user gebaut, ohne Geld wird keine Energie produziert, l\u00e4uft kein Computer, Fernseher, kein Auto, keine Untergrundbahn, fliegt kein Flugzeug, funktioniert kein Telefon, ohne Geld bleibt alles stehen, und am Ende geht das Licht aus, und die Heizung wird kalt. Ohne Geld gibt es auch keine Steuereinnahmen, damit auch keine \u00f6ffentlichen Dienstleistungen der existentiellen Daseinsversorgung und keine soziale Abfederung. Und woran fehlt es insbesondere w\u00e4hrend einer wirtschaftlichen Rezession in erster Linie? Antwort: An Geld. Regierungen, Banken, Versicherungen, Wirtschaftsbetriebe werden zahlungsunf\u00e4hig, was wiederum zu Arbeitslosigkeit und reduziertem Lebensstandard bis hin zu sozialen Konflikten, Armut, Kriminalit\u00e4t und Gewalt f\u00fchren kann.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Doch wer behauptet, ein hoher Lebensstandard k\u00f6nne heutzutage ohne Geldmittel nicht zu erreichen sein, ist unbewusster Gefangener zementierter Denkschemata, oder aber verantwortungsloser Diener pers\u00f6nlicher Interessen oder elit\u00e4rer Interessengruppen. <em>S\u00e4mtliche <u>Waren und Dienstleistungen<\/u>, die es heute auf der Welt gibt, <u>werden nicht durch Geld geschaffen<\/u><\/em>, sondern durch die folgenden Produktionsfaktoren: Ideen, Wissenschaft, Forschung, Ausbildung, Arbeit, Rohstoffe und Energie. Geld per se ist de facto kein Produktionsfaktor, sondern, in der kapitalistischen Marktwirtschaft, nichts anderes als k\u00fcnstlicher, aber notwendiger (und damit oft begrenzter und begrenzender) Beschaffungsfaktor eben dieser Produktionsfaktoren.<\/p>\n<p>Die monet\u00e4re Bewertung ist einzig und allein Resultat der gesellschaftlichen Indoktrinierung des menschlichen Handelns durch den Materialismus und des damit verflochtenen Bedarfssyndroms (tats\u00e4chliche oder provozierte Nachfrage, Knappheit und Mangel). Der hier vorgeschlagene Systemwechsel postuliert <em><u>keine<\/u> absurde R\u00fcckkehr zum Tauschhandel <\/em>(physischer Tauschhandel und Geld basieren auf derselben Logik der Ungleichheit zwischen dem <em>Mehr<\/em> oder <em>Weniger<\/em> davon Haben\/Besitz<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>), sondern vielmehr, auf der Grundlage eines neuen sozial-ethischen Fundaments, die Schaffung eines hohen, universalen Lebensstandards (f\u00fcr alle Menschen), dessen Sicherstellung wiederum die Hauptantriebskraft und Rechtfertigung der menschlichen Arbeit darstellt, und wodurch der Geldwirtschaft die Grundlage entzogen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Eine global erneuerte Gesellschaft wird nicht umhin kommen, das Tabu eines prinzipiell auf monet\u00e4rem Austausch von Waren und Dienstleistungen basierenden Wertesystems aufzubrechen. Damit wird zwangsl\u00e4ufig eine <strong><em>Neudefinition der Grund- beziehungsweise Menschenrechte<\/em><\/strong> einhergehen m\u00fcssen. Ein Recht, und <em>ein Grundrecht eines Menschen ohnehin, muss unmittelbar gelten und zur Verf\u00fcgung stehen, und darf infolgedessen nicht an eine monet\u00e4r bestimmbare Verf\u00fcgbarkeit durch den einzelnen Menschen gekoppelt sein<\/em>.<\/p>\n<p>Die dem Gemeingut zugesprochenen Gesellschaftsbereiche stehen in einer global erneuerten Gesellschaft allen Menschen in gleichem Ma\u00dfe zu, und stellen damit automatisch Grundrechte dar, deren \u00dcberf\u00fchrung in nicht-monet\u00e4re Werte somit zu definieren ist. Grunds\u00e4tzliche Menschenrechte wie unter anderem der Zugang zu unabh\u00e4ngiger Information, pers\u00f6nliche Sicherheit, Gesundheit, Bildung und Grundnahrung d\u00fcrfen nicht in monet\u00e4ren Werteskalen zu messen sein, beziehungsweise, davon abh\u00e4ngig, nur durch die Verf\u00fcgbarkeit von Geld dem einzelnen Menschen garantiert werden k\u00f6nnen, sondern sollten tabulos und im Sinne des \u00fcber allem stehenden Schutzes des Gemeingutes sowie unter der Wahrung der unantastbaren W\u00fcrde des einzelnen Menschen neu bestimmt werden. Bei der Entmonetarisierung kommt einer entsprechenden Neukonzeption der Produktions- und Arbeitsverh\u00e4ltnisse sowie der (post-monet\u00e4ren) Bewertung der f\u00fcr die Bereitstellung der Grundrechte unverzichtbaren Produktionsfaktoren (unter anderem Arbeit) dabei eine wichtige Rolle zu.<\/p>\n<p>In einer global erneuerten Gesellschaft verliert die Monetarisierung (Geldwert) graduell an Bedeutung, in dem Sinne, dass Waren und Dienstleistungen, die zum Gemeingut z\u00e4hlen, von der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit eines kapitalistisch gepr\u00e4gten Marktes abzukoppeln sind. Denn diese Waren und Dienstleistungen werden den Menschen von der eigenen Gesellschaft zur Verf\u00fcgung gestellt (nicht verkauft). \u00dcbergangshalber k\u00f6nnten sich diejenigen G\u00fcter und Dienstleistungen, welche nicht Teil des Gemeingutes darstellen, noch durch monet\u00e4re Gegenwerte auszeichnen. Evidenterweise w\u00fcrde dieses monet\u00e4re Restsystem jedoch einzig und allein auf jene, nicht zum Gemeingut geh\u00f6renden G\u00fcter\/Waren und Dienstleistungen anwendbar sein. <em>Langfristig w\u00fcrden alle G\u00fcter und Dienstleistungen, ob zum Gemeingut geh\u00f6rend oder nicht, letztlich im Rahmen eines nicht-monet\u00e4ren, kollektiv gesteuerten Systems von Produktion und Nachfrage\/Notwendigkeit entsprechend genutzt werden.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zudem: Behandlungsmethoden und Mittel sind vorhanden, um Millionen von Menschen vor Krankheiten zu bewahren oder davon zu heilen; Es gibt genug Nahrungsmittel und Hilfsmittel, Transportflugzeuge und qualifiziertes Personal, um Millionen von Menschen vor Elend, Unterern\u00e4hrung und Hunger zu bewahren; doch all dies kommt meist nicht zum Einsatz, weil die finanziellen Mittel (Geld) fehlen bzw. nicht hierf\u00fcr zur Verf\u00fcgung gestellt werden (sondern f\u00fcr andere \u201ePriorit\u00e4ten\u201c veranschlagt werden), und der politische Wille schwach ist (siehe Fl\u00fcchtlingskrise, Sahelkrise, Horn von Afrika etc.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a><em> Wenn ich einen gro\u00dfen K\u00fcrbis besitze, bekomme ich daf\u00fcr zwanzig M\u00f6hren. Wenn Du nur einen Apfel hast, bekommst du daf\u00fcr nur zwei M\u00f6hren. Dies ist wie als h\u00e4tte ich beispielsweise zwanzig Euro und du nur zwei Euro.<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Relativierung des monet\u00e4ren Wertebegriffs und Entmonetarisierung: Der altbackene Spruch \u201eZeit ist Geld\u201c steht emblematisch f\u00fcr eine auf das monet\u00e4re Werteprinzip hin ausgerichtete Gesellschaft. 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