{"id":96,"date":"2017-11-15T21:46:31","date_gmt":"2017-11-15T20:46:31","guid":{"rendered":"http:\/\/2017.system-change.org\/de\/?p=96"},"modified":"2018-01-17T11:16:28","modified_gmt":"2018-01-17T10:16:28","slug":"3ader-materielle-wohlstand-der-oekonomisch-entwickelten-laender-auf-wessen-kosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.system-change.org\/de\/3ader-materielle-wohlstand-der-oekonomisch-entwickelten-laender-auf-wessen-kosten\/","title":{"rendered":"3A.\tDER MATERIELLE WOHLSTAND DER \u00d6KONOMISCH ENTWICKELTEN L\u00c4NDER &#8211; auf wessen Kosten ?"},"content":{"rendered":"<p><strong><u>DER MATERIELLE WOHLSTAND DER \u00d6KONOMISCH ENTWICKELTEN L\u00c4NDER<\/u><\/strong><strong><em> &#8211; auf wessen Kosten ?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In den \u00f6konomisch hochentwickelten L\u00e4ndern Europas und Nordamerikas, in Australien\/Neuseeland und Japan wird ein minimaler, noch annehmbarer Lebensstandard f\u00fcr einen ungelernten Arbeiter und selbst f\u00fcr einen mittellosen, aber staatlich unterst\u00fctzten Arbeitslosen (also allgemein die untersten sozialen Schichten einer Gesellschaft) wie folgt definiert:<\/p>\n<p><strong><em>Minimaler, noch annehmbarer Lebensstandard (Zentraleuropa, Nordamerika, Australien\/Neuseeland, Japan)<\/em><\/strong> &#8211; Jedem\/jeder Familie soll mindestens Folgendes gew\u00e4hrt sein bzw. soll sich Folgendes als Mindestniveau leisten k\u00f6nnen, um ein \u201ew\u00fcrdiges\u201c Leben f\u00fchren zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: disc\">\n<li>Eine der Familiengr\u00f6\u00dfe entsprechende, einfache Wohnung in einem Geb\u00e4ude, das in einem akzeptablen baulichen Zustand ist<\/li>\n<li>Stromversorgung (24 Stunden)<\/li>\n<li>Flie\u00dfend Wasser (kalt und warm &#8211; 24 Stunden)<\/li>\n<li>Heizung im Winter<\/li>\n<li>Badezimmer samt WC und Dusche in der eigenen Wohnung\/Geb\u00e4ude<\/li>\n<li>K\u00fcche mit Sp\u00fcle, Herd, K\u00fchlschrank in der eigenen Wohnung\/Geb\u00e4ude<\/li>\n<li>Eine Waschmaschine<\/li>\n<li>Ausreichende und gesunde Ern\u00e4hrung (drei Mahlzeiten am Tag &#8211; eine davon warm)<\/li>\n<li>Einfache aber ad\u00e4quate Kleidung (klima-abh\u00e4ngig)<\/li>\n<li>Elementare gesundheitliche Pflegemittel f\u00fcr den K\u00f6rper + Reinigungsmittel f\u00fcr den Wohnraum<\/li>\n<li>Einfache, aber funktionsf\u00e4hige M\u00f6bel, ein Telefon, einen Fernseher<\/li>\n<li>Kranken-\/Zahn\u00e4rztliche Grundversorgung (inklusive Rehabilitation, Hilfsmittel &#8211; Brille, Prothesen etc.)<\/li>\n<li>Unfallversicherung (insbesondere am Arbeitsplatz)<\/li>\n<li>Sozialleistungen\/staatliche Unterst\u00fctzung bei Arbeitslosigkeit und\/oder Mittellosigkeit<\/li>\n<li>Ausreichende Rentenzahlung ab Erreichen des Rentenalters (je nach Land ab dem 62\/65sten Lebensjahr)<\/li>\n<li>Abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung (f\u00fcr sich und m\u00f6gliche Kinder)<\/li>\n<li>Arbeitsplatz ohne Gesundheitsgef\u00e4hrdung<\/li>\n<li>Bei Berufst\u00e4tigkeit, mindestens zweiw\u00f6chige bezahlte Urlaubszeit im Jahr<\/li>\n<li><em>(Spielzeug und Freizeitartikel (z.B. Fahrrad, B\u00fccher, Computer, einfaches Sport- und Musikger\u00e4t)<\/em>, <em>eventuell ein kleines gebrauchtes Auto pro Familie)?<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Der oben so definierte Lebensstandard gilt in den \u00f6konomisch entwickelten L\u00e4ndern Europas und Nordamerikas, in Australien\/Neuseeland und Japan als minimaler Standard, der jedem Mitb\u00fcrger zusteht beziehungsweise welcher die Gesellschaft oder der Staat jedem Einwohner erm\u00f6glichen muss. Von daher m\u00fcssen L\u00f6hne und Geh\u00e4lter in diesen L\u00e4ndern entsprechend so angelegt sein, dass ein solcher Mindestlebensstandard auch f\u00fcr jeden Menschen erreichbar ist (wenn nicht direkt durch entsprechende Lohnzahlungen an die arbeitende Bev\u00f6lkerung, so doch zumindest durch gesellschaftliche\/staatliche, meist durch Steuereinnahmen finanzierte Leistungen an den einzelnen).<\/p>\n<p>Doch wie sieht es im Rest der Welt aus? Es ist jedem von uns bewusst, dass der oben definierte minimale Lebensstandard au\u00dferhalb der \u00f6konomisch entwickelnden Staaten, das hei\u00dft in Afrika, in den meisten L\u00e4ndern Asiens und Lateinamerikas, sowie in weiten Bereichen des ehemaligen Ostblocks f\u00fcr die allermeisten Menschen meist nichts anderes als einen nicht zu erreichenden Traum darstellt. Nur die allerwenigsten Menschen in diesen Regionen der Erde k\u00f6nnen sich ein solches Lebensniveau auch nur ann\u00e4hernd leisten.<\/p>\n<p>Dennoch, viele Produkte, die in den \u00f6konomisch entwickelten L\u00e4ndern gehandelt werden, stammen aus Drittstaaten<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, z.B. Nahrungsmittel\/ landwirtschaftliche Erzeugnisse (einschlie\u00dflich Fleisch\/Fisch), Naturprodukte (einschlie\u00dflich Holz und Papier), Kleidung, Schuhwerk, elektronische Ger\u00e4te, Spielzeug, Plastikprodukte etc. Ebenso beinhalten die meisten G\u00fcter, die in den \u00f6konomisch entwickelten L\u00e4ndern hergestellt, verarbeitet oder gehandelt werden, einen oft sehr hohen Anteil an Bestandteilen\/Produktions-\/ Betriebsmittel, welche aus Drittstaaten stammen: Landwirtschaftliche Rohstoffe (pflanzliche Grundstoffe, aber auch u.a. Kraftfutter f\u00fcr die Tierhaltung; tierische Produkte) und nat\u00fcrliche Rohstoffe, Textilien (z.B. Baumwolle), mineralische Rohstoffe, verarbeitete mineralische Materialien, Energietr\u00e4ger inklusive Erd\u00f6l\/Erdgas, Gummi, Plastik etc.<\/p>\n<p>Dies hei\u00dft, dass ein Gro\u00dfteil der G\u00fcter, die f\u00fcr das hohe materielle Lebensniveau in den \u00f6konomisch entwickelten Staaten unverzichtbar sind (und f\u00fcr deren B\u00fcrger \u00f6konomisch erschwinglich sind und bleiben m\u00fcssen), sowohl<u> Rohstoffe<\/u> wie insbesondere aber auch <strong><em><u>Arbeitskraft<\/u><\/em><\/strong> aus Drittl\u00e4ndern beinhalten. Doch diese Arbeitskraft ist in keinster Weise auch nur ann\u00e4hernd so entlohnt (und \u201egesch\u00fctzt\u201c) wie jene Arbeitskraft\/Arbeitnehmer in den importierenden, das hei\u00dft den \u00f6konomisch entwickelten Staaten (bei uns). <strong><em>Die Arbeitskraft der Drittl\u00e4nder ist, was ihr Lebensniveau angeht, Lichtjahre von dem minimalen Lebensstandard der Industriesaaten (siehe obige Box) entfernt, und f\u00fcr die meisten von ihnen sind Armut, pers\u00f6nliche Bedrohung und teilweise selbst Hunger reale Dimensionen ihres t\u00e4glichen Lebens.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Doch sollte eine moderne, reife und entwickelte Gesellschaft nicht das gleiche minimale Lebensniveau, das sie f\u00fcr die eigenen Staatsb\u00fcrger einfordert (sogar durch Gesetze\/Verfassung), f\u00fcr alle Mitmenschen auf dieser Welt einfordern und daf\u00fcr konsequent eintreten? Doch was w\u00fcrde geschehen, wenn diese Importnationen (wir) tats\u00e4chlich darauf best\u00fcnden, dass die Arbeitskraft aus Drittl\u00e4ndern, welche an der Entstehung und am Transport von in den Industrienationen gehandelten Waren beteiligt ist, einen entsprechenden minimalen Lebensstandard (bzw. einen entsprechend notwendigen Arbeitslohn) wie den der eigenen Mitb\u00fcrger erhielten?<\/p>\n<p>Folgendes w\u00fcrde passieren: Die Gesellschaft (Sozial- und Wirtschaftssysteme) jener Drittl\u00e4nder m\u00fcsste ihre Einnahmen (u.a. Gewinne und Steuern) substantiell erh\u00f6hen, um ihren B\u00fcrgern auch nur ann\u00e4hernd einen solchen Lebensstandard garantieren zu k\u00f6nnen, wie den minimalen, noch akzeptablen Lebensstandard in den \u00f6konomisch entwickelten L\u00e4ndern. Unter anderem<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> m\u00fcssten die aktuellen L\u00f6hne in jenen L\u00e4ndern um ein Mehrfaches angehoben werden, s\u00e4mtliche (von den Industrienationen) importierten Fertigwaren, Rohstoffe und Materialien aus diesen L\u00e4nder w\u00fcrden m\u00f6glicherweise um ein Vielfaches teurer werden.<\/p>\n<p>Eine Z\u00fcndkerze zum Beispiel, die unter anderem aus Kupfer, Nickel, Talkum, Stahl\/Erz (aus Drittl\u00e4ndern) besteht, w\u00fcrde uns m\u00f6glicherweise anstatt zehn Euro \u00fcber hundert Kosten. Der Preis f\u00fcr ein Handy oder einen Laptop, welche unter anderem Coltan und Lithium (aus Drittl\u00e4ndern) als Baustoffe mit hoher elektrischer Leit- und Speicherungsf\u00e4higkeit beinhalten, w\u00fcrden m\u00f6glicherweise um mehrere Hundert Prozent steigen. Jedes Auto, jeder Fernseher, Baumwollkleidung, alle oben angef\u00fchrten importierten Fertigprodukte, Nahrungsmittel, Rohstoffe und Materialien w\u00fcrden exponentiell teurer werden. Die unumg\u00e4ngliche logische Konsequenz w\u00e4re evident:<\/p>\n<p>&#8212;<em>Ein Zusammenbruch der Nachfrage aufgrund der explodierenden Produkt- und Betriebsmittelpreise;<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<em>Produktionsstillstand in einem Gro\u00dfteil der Industrie- und Gewerbebetriebe;<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<em>Massenarbeitslosigkeit;<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<em>Anf\u00e4ngliche Hyperinflation, gefolgt vom Zusammenbruch der B\u00f6rsen und schlie\u00dflich des Geldwertes;<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<em>Anarchie und Gewalt.<\/em><\/p>\n<p>Doch dazu wollen und k\u00f6nnen es die \u00f6konomisch entwickelten Staaten nicht kommen lassen. Sie fordern (und garantieren) zwar als Minimum einen noch akzeptablen Lebensstandard <em><u>f\u00fcr ihre eigenen Mitb\u00fcrger<\/u><\/em>, wollen aber auf <em>billige\/erschwingliche<\/em> Produkte und Dienstleistungen, welche ihren hohen durchschnittlichen Lebensstandard ausmachen\/garantieren, nicht verzichten, und nehmen es daher in Kauf, dass in Drittl\u00e4ndern die f\u00fcr diese Waren entsprechend ben\u00f6tigte Arbeitskraft selbst auf einen minimal akzeptablen Lebensstandard verzichten muss.<\/p>\n<p>(<em>Die Tatsache, dass weltweit immer mehr Konzerne und Betriebe Produktionsbereiche \u201elegal\u201c in Drittl\u00e4nder auslagern, um von der dort billigen Arbeitskraft zu profitieren, sei hier nur nebenbei erw\u00e4hnt; sogenannte Fair-Trade Produkte sind vielleicht gut gemeint, erh\u00f6hen aber de facto nur unwesentlich den Lebensstandard der lokalen Arbeitskraft und verdienen daher diese Bezeichnung meist nicht \u2013 schon gar nicht garantieren sie auch nur ann\u00e4hernd einen vergleichbaren minimalen Lebensstandard wie in den \u00f6konomisch entwickelten Staaten definiert<\/em>).<\/p>\n<p><strong><u>Welche Erkenntnis ist aus diesem Tatsachenzusammenhang zu gewinnen<\/u><\/strong>?<\/p>\n<p>Prinzipiell diejenige, dass eine kapitalistische Wettbewerbsgesellschaft und deren Wirtschafts- und Sozialsysteme global nur durch den gleichzeitigen Erhalt von zum Teil eklatanten Disparit\u00e4ten von Einkommen und Lebensniveaus und damit substantieller sozialer Ungerechtigkeit aufrecht erhalten werden k\u00f6nnen. Jede Anstrengung, soziale Gerechtigkeit und ein akzeptables Lebensniveau weltweit f\u00fcr alle Menschen zu gew\u00e4hrleisten, w\u00fcrde das eigentliche System in Frage stellen und m\u00f6glicherweise zu dessen Zusammenbruch f\u00fchren. Das kapitalistische Wettbewerbsmodell braucht soziale und wirtschaftliche Ungleichgewichte und Schieflagen und basiert daher auf der Beibehaltung von globaler Ungerechtigkeit.<\/p>\n<p><strong><em>Ein neues Weltbild, mit einem entsprechend epochal erneuertem Wirtschafts- und Sozialsystem, ist eine elementare Notwendigkeit f\u00fcr eine gerechte Zukunft unserer globalen Wirklichkeit &#8211; daher wird es unabdingbar sein, mit verkn\u00f6cherten Tabus zu brechen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Drittstaaten: hier definiert als L\u00e4nder, die nicht zur EU, Nordamerika oder den Industrienationen Asiens geh\u00f6ren, somit insbesondere die sogenannten Schwellen- und die sogenannten Entwicklungsl\u00e4nder.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zus\u00e4tzlich zu der Notwendigkeit die L\u00f6hne anheben zu m\u00fcssen: zum Beispiel die Einhaltung von internationalen Umweltnormen; Sozialpolitische Ma\u00dfnahmen zur Garantie der pers\u00f6nlichen Sicherheit etc.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DER MATERIELLE WOHLSTAND DER \u00d6KONOMISCH ENTWICKELTEN L\u00c4NDER &#8211; auf wessen Kosten ? 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